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Die große Zeichnung

Neubau Bundesinnenministerium, Berlin, Wettbewerb Kunst am Bau/ engere Wahl/ zweite Phase und Ausstellung

Im Spannungsfeld zwischen Thor Heyerdahls Zitat „Borders, I have never seen one…“ und Maurice Halbwachs‘ Verständnis einer Grenze als Schutz und Stütze von Tradition, Erinnerung und Identifikation einer Gesellschaft mit einem bestimmten Land, entsteht eine spannende Dialektik.

Wie genau ist die Ausdeutung dieser Grenze – ist es eine imaginäre Linie zwischen zwei Staaten, die die Gesetzgebung und Rechte dieser Länder voneinander trennt? Wir betiteln den Bereich außerhalb dieser Linie als Ausland – ist der Bereich innerhalb dann automatisch als Heimat zu bezeichnen? Wofür ist diese Linie durchlässig? Wie interpretieren wir diese Grenzlinie in Zeiten der Globalisierung, Digitalisierung, dem Wunsch nach einem gemeinsamen Europa, aber auch der zunehmend lauter werdenden Stimme desNationalismus und der Angst vor dem Fremden?

„Die große Zeichnung“ bezieht sich in ihrer abstrahierten Darstellung der Bundesdeutschen Grenzlinie auf das Konstrukt einer Trennung, wobei der innere und äußere Raum hier nicht näher kommentiert wird. Der Fokus der Betrachtung liegt auf der maßstabsgetreuen Darstellung und Ausprägung der Bundesdeutschen Grenzlinie selbst. Es wird eine offene und wertfreie Auseinandersetzung mit dem Thema der “Grenze” angeregt.

Im Kunstwerk „Die große Zeichnung“ wird die Grenzlinie als Artefakt oder auch Objet trouvé zum Objekt stilisiert:

Materiell ausformuliert in Gold glänzendem Messing, erhält sie Eigenständigkeit als ästhetisches Raum-Objekt. Sie wird zum sinnlich erlebbaren Kunstwerk. Die goldene Linie interagiert durch ihre Spiegelungen mit dem Licht des Raumes und dem subjektiven Blick des Betrachters – ihre Materialeigenschaften werden zum zentralen Ereignis.

Die Linie schneidet den homogen anmutenden Boden der Flure und Räume des Ministeriums in zwei Teile, wobei sich die Beschaffenheit des Bodens in beiden voneinander getrennten ‚Territorien‘ exakt gleich darstellt und somit das Konstrukt dieser Trennung in Frage stellt.Im Sinne einer Philosophie des Bodens verliert der Standort des Betrachters - Innen oder Außen – an Relevanz. Alle Aufmerksamkeit wird auf die materielle Interpretation der Grenzlinie selbst gezogen. Die Linie lädt in ihrer Abstraktheit und gleichzeitiger Prägnanz, zum Philosophieren über ihre Ausformulierung und Präsenz ein.